Keiner macht es gerne, doch manchmal geht es einfach nicht anders. Die Rede ist von der Suche nach einem Anwalt. Ob Verkehrsunfall, Streitigkeiten mit Mietern oder Vermietern oder eine Scheidung – häufig kann das eigene Recht nur mithilfe eines Anwalts durchgesetzt werden. Worauf bei der Suche zu achten ist, haben wir hier zusammengefasst.
Den richtigen Anwalt finden
Zunächst muss man sich darüber Klarheit verschaffen, für welchen konkreten Zweck ein Anwalt benötigt wird. Konkret: In welchem Rechtsgebiet liegt nach der persönlichen Einschätzung der Schwerpunkt des Falls oder der Fragestellungen? Handelt es sich um ziviles Vertragsrecht, Gewerberecht oder auch um Wohnraummietrecht? Geht es um arbeitsrechtliche Fragen, Familienrecht, Strafrecht oder Verwaltungsrecht, Handelsrecht oder vielleicht Gesellschaftsrecht? Diese Vorfragen spielen eine wichtige Rolle bei der Auswahl des richtigen Anwalts.
Hilfe bei der Auswahl des passenden Anwalts können die Rechtsanwaltskammern oder auch die Anwaltsvereine leisten. Diese verfügen über Listen, in denen sich die Rechtsanwälte zu den von ihnen bearbeiteten Fachgebieten haben eintragen lassen. Zudem gibt es Listen von Fachanwälten. Dabei muss man wissen, dass zunächst nur in wenigen Rechtsgebieten (z. B. Steuerrecht, Insolvenzrecht, Strafrecht, Verwaltungsrecht, Sozialrecht, Arbeitsrecht, Familienrecht und Versicherungsrecht) Fachanwälte zugelassen worden sind. Weitere Rechtsgebiete sind nach und nach dazugekommen, u. a. Fachanwaltschaften für Medizinrecht, Mietrecht und Wohnungseigentumsrecht, Verkehrsrecht und Erbrecht oder ein Internetrecht-Anwalt.
Vor der Einführung der Fachanwaltschaften haben Anwälte in den meisten Rechtsgebieten spezielle Tätigkeitsschwerpunkte gebildet. Diese durften seinerzeit angegeben werden, wenn die Anwälte ihren eigenen Angaben zufolge dort mindestens zwei Jahre nachhaltig tätig gewesen sind. Interessenschwerpunkte für bestimmte Rechtsgebiete durften benannt werden, wenn sie dort ihren Angaben zufolge nachhaltig tätig gewesen sind. Inzwischen sind die Regelungen über die Angaben von (und Werbung mit) Tätigkeitsschwerpunkten bzw. Interessenschwerpunkten aufgehoben worden.
Die Suche nach einem Fachanwalt
Einen groben Überblick über die Vielzahl der verschiedenen Rechtsgebiete bieten beispielsweise die örtlichen Branchenbücher. Darüber hinaus gibt es diverse Suchdienste für Anwälte im Internet. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die teilweise noch anzutreffende Festlegung der Spezialisierung in Form von Tätigkeitsschwerpunkten bzw. Interessenschwerpunkten allein auf der persönlichen Einschätzung der jeweiligen Anwälte beruht, die sich in derartige Listen haben eintragen lassen. Eine Qualitätskontrolle ist mit derartigen Spezialisierungsangaben nicht verbunden.
Demgegenüber haben Fachanwälte ihre Qualifikation in Form der erfolgreichen Teilnahme an speziellen Unterrichtskursen, des Nachweises einer hinreichenden Anzahl bereits bearbeiteter gerichtlicher und außergerichtlicher Fälle aus dem jeweiligen Fachgebiet und der regelmäßigen Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen nachzuweisen.
Tipp: Sehr hilfreich sind oft auch Tipps von Bekannten, Nachbarn oder Arbeitskollegen, die in ähnlichen Fällen bereits Erfahrungen mit einem bestimmten Anwalt gesammelt haben.
Daran erkennt man einen guten Anwalt
Neben der passenden fachlichen Qualifikation gibt es einige weitere Punkte, an denen man einen guten Anwalt erkennt. Die drei wichtigsten sind:
Klare und verständliche Kommunikation
Ein guter Rechtsanwalt kommuniziert transparent, strukturiert und ohne unnötigen Fachjargon. Er erklärt Chancen, Risiken und mögliche Kosten ohne Beschönigung und sorgt dafür, dass man als Mandant jederzeit weiß, wo man steht. Gute Juristen versprechen keine garantierten Ergebnisse, sondern geben realistische Einschätzungen und zeigen auch alternative Lösungswege auf. Zudem reagiert ein guter Anwalt zeitnah auf Anfragen und hält seine Mandanten über Entwicklungen im Verfahren auf dem Laufenden.
Gründliche Vorbereitung und strategische Kompetenz
Ein guter Rechtsanwalt setzt nicht auf Standardlösungen, sondern analysiert jeden Fall individuell und sorgfältig. Er stellt gezielte Fragen, prüft Unterlagen genau und entwickelt eine Strategie, die sowohl juristisch fundiert als auch kostentechnisch sinnvoll ist. Er erkennt problemlos, welche Beweise wichtig sind, welche Schritte den größten Vorteil bringen und wägt Aufwand, Risiko und Erfolgsaussichten realistisch ab. All diese Punkte bespricht er offen mit seinem Mandant.
Transparentes und faires Kostenmodell
Ein weiteres Indiz für einen guten Rechtsanwalt: Er macht seine Vergütung von Anfang an verständlich und nachvollziehbar. Er erklärt, welche Gebühren gesetzlich geregelt sind, wann individuelle Honorarvereinbarungen sinnvoll sind und wie sich die Kosten im Verlauf des Verfahrens entwickeln können. Seriöse Anwälte weisen zudem auf mögliche Zusatzkosten hin, etwa für Gutachten, Gerichtskosten oder notwendige Recherchen.











